*** CN: Trauma, Tod. Der folgende Text kann sich sehr belastend anfühlen ***
Es kann helfen, ihn gar nicht, mit Ruhe, schrittweise oder einer lieben Begleitung zu lesen.
Der Verlust eines geliebten Menschen – sei es durch den Tod, eine Trennung oder eine andere dramatische Veränderung – stellt eine der größten Herausforderungen im Leben eines Kindes dar. Trauer kann sich in vielen Formen zeigen, von sichtbarem Schmerz und Wut bis hin zu Rückzug, Verwirrung und Wut. Kinder sind in ihrem Umgang mit Trauer besonders verletzlich und brauchen eine sorgfältige und einfühlsame Begleitung, um diese schwierige Phase zu bewältigen.
Im Gegensatz zu Erwachsenen haben Kinder oft noch nicht die sprachlichen oder emotionalen Fähigkeiten, um ihre Trauer vollständig zu begreifen oder auszudrücken. Ihr Verständnis von Verlust hängt stark von ihrem Entwicklungsstand ab. Ein fünfjähriges Kind wird den Verlust eines Elternteils anders erleben und begreifen als ein zehnjähriges oder 15-jähriges Kind. Während Jüngere möglicherweise nicht verstehen, dass der Verlust dauerhaft ist, kann ein älteres Kind den Verlust intellektuell begreifen, ohne die tiefen emotionalen Auswirkungen vollständig verarbeiten zu können. So hat jeder Entwicklungsstand seine eigenen Herausforderungen.
Sowohl Kinder als auch Erwachsene erleben Trauer oft in Wellen. Manchmal ist der Verlust zwar da, jedoch können wir gut mitschwingen und uns auch die Zeit und den Raum dafür geben. Dann wieder überrollt uns eine Trauerwelle völlig.
Besonders Kinder gehen intensiv in die Trauerwellen rein, um dann auch wieder eine Zeitlang in ganz ruhigem Gewässer zu baden. Alles scheint vergessen. Was für Erwachsene verstörend wirken kann, ist die ganz normale Fähigkeit der Kinder jedes Gefühl noch klar und und unmittelbar zu fühlen. Sich davon wegtragen zu lassen und durch den Körper gleiten zu lassen. Ohne Verkrampfung, alte Muster oder Stocken. Gefühle, die gefühlt werden können, werden dadurch leichter. Und so springen Kinder auch wieder raus aus der Trauerwelle. Sie können ganz unbeschwert erscheinen, bis sie wieder eintauchen und weitertrauern.
Traumapädagog*innen und Trauerbegleiter*innen nennen das Pfützenspringen. Kinder springen rein, dass es nur platscht. Und manchmal genauso schnell wieder raus. Es ist hilfrecih, die Kinder bei ihrer Bewältigung zu unterstützten und den natürlichen Prozess der wechselnden Trauer zuzulassen.
Der Umgang mit Kindertrauer kennt viele Wege. Das Schreckliche möchte oft ein Gesicht bekommen, fassbar werden. Wir basteln Monster oder Schutztiere. Orte der Trauer sind wichtig für Kinder. Viele Aktivitäten rund um die Beerdigung oder um das Andenken, etwas selbst aussuchen oder entscheiden dürfen, das gibt uns Kontrolle zurück.
Ich begleite sie und ihre Familie durch dunkle Zeiten. Wir können Fragen der Beerdigung mit Kindern gemeinsam besprechen, Rituale finden und gemeinsam wieder den Boden unter den Füßen finden.
Eine frühzeitige und fachkundige Begleitung hilft trauernden Kindern, Gefühle von Verlust, Angst und Schuld besser einzuordnen und altersgerecht zu verarbeiten. Durch unterstützende Bezugspersonen und strukturierte Trauerbegleitung wird das Risiko für langfristige psychische Belastungen wie Depressionen oder Angststörungen reduziert. Kinder lernen dabei angemessene Bewältigungsstrategien und erleben, dass ihre Reaktionen normal und akzeptiert sind. Eine stabile Begleitung stärkt zudem das Sicherheitsgefühl und unterstützt die fortlaufende soziale und emotionale Entwicklung trotz des belastenden Ereignisses. Dadurch können Kinder das Verlusterlebnis langfristig besser integrieren und resilienter mit weiteren Herausforderungen umgehen.
Quellen:
Worden, J. W. (1996). Children and grief: When a parent dies. New York: Guilford Press.
Melhem, N. M., Porta, G., Shamseddeen, W., Payne, M. W., & Brent, D. A. (2011). Grief in children and adolescents bereaved by sudden parental death. Archives of General Psychiatry, 68(9), 911–919. https://doi.org/10.1001/archgenpsychiatry.2011.101
Sandler, I., Ayers, T. S., Wolchik, S. A., Tein, J.-Y., Kwok, O.-M., Haine, R. A., Twohey-Jacobs, J., Suter, J., Lin, K., Padgett-Jones, S., Weyer, J. L., Cole, E., Kriege, G., & Griffin, W. A. (2003). The Family Bereavement Program: Efficacy evaluation of a theory-based prevention program for parentally bereaved children and adolescents. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 71(3), 587–600. https://doi.org/10.1037/0022-006X.71.3.587
Über die Autor*in
Christine Trompka hat über 15 Jahre Erfahrung als Pädagogin mit Kindern und Erwachsenen. Ihr Schwerpunkt war dabei immer das Draußensein, Abenteuer- und Waldpädagogik, tiergestützte Pädagogik sowie traumasensibles Arbeiten.
Christine ist Traumazentrierte Fachberatung DeGPT, Traumapädagogin DeGPT, Heilpraktikerin Psychotherapie und dialogisch-humanistische Traumatherapeutin sowie pädagogische Fachkraft. Sie arbeitet gerne eng und interdisziplinär mit anderen Fachbereichen, Psychiater*innen, Kinderärzt*innen, Psycholog*innen und Pädagog*innen zusammen. Sie bietet verschiedene Gruppen und Einzelangebote für Kinder und Erwachsene an. Sie ist per Email und mobil erreichbar und freut sich über Ihre Anregungen, konstruktive Kritik und Anregungen.

Kommentar schreiben