Eingewöhnung bei den Igelkindern

Zwischen „Wir haben uns noch nie gesehen“ und „Wir vertrauen uns durch dick und dünn“ liegen keine Tricks und keine Abkürzungen. Vertrauen entsteht nicht auf Knopfdruck. Es wächst. Und es dauert.

Bei den Igelkindern nehmen wir uns dafür gerne Zeit. 

 

Wir arbeiten zwar grundsätzlich nach dem Münchner Eingewöhnungsmodell, aber bleiben damit sehr flexibel zum Wohle der Familie. 

 

Dabei arbeiten wir uns Schritt für Schritt voran. Zunächst lernen wir Erwachsenen uns in Gesprächen kennen. Ein bis zwei Termine geben Raum für das, was wirklich zählt: Was ist Ihnen im Umgang mit Menschen wichtig? Was braucht Ihr Kind? Was bewegt Sie im Hinblick auf die Betreuung? Stimmt die Chemie zwischen uns? Wir freuen uns, wenn sie unseren Eingewöhnungsfragebogen für uns ausfüllen.

 

Anschließend besuchen Sie uns gemeinsam mit Ihrem Kind mehrmals im Kindergarten-Alltag und in unserem Garten. Sie sind Gäste. Ihr Kind beobachtet, spielt vielleicht schon ein wenig, sammelt Eindrücke. Wir entwickeln behutsam aus einem Nebeneinander ein erstes Miteinander. Es gibt für Ihr Kind keinen Druck, schon teilzunehmen oder uns Erwachsene bereits ansprechen zu können.

Sie als Elternteil oder eingewöhnende Bezugsperson bringen sich dann verstärkt „Arbeit“ oder etwas zum Lesen mit. Ihre Aufmerksamkeit wandert weg von Ihrem Kind hin zu Ihrer eigenen Beschäftigung. Wir unterstützen Sie dabei. Ihr Kind bekommt von uns spannende Anregung in dem Maße, wie es diese schon annehmen kann. Wir haben 15 Jahre Erfahrung mit zum Teil sehr erschwerten Eingewöhnungsprozessen und werden Sie gut anleiten. 

 

Erst danach wagen wir die ersten kurzen Verabschiedungen. Ihr Kind bleibt für kleine Zeiträume von anfangs 5 Minuten bei uns. Wir schauen gemeinsam, wie es gelingt:

  • „Bis gleich“ sagen
  • Aus dem Blickfeld gehen
  • Weiter im Spiel bleiben, wenn die Bezugsperson etwas „holen“ möchte

Währenddessen machen wir mit Ihrem Einverständnis Bilder oder Videos von Ihrem Kind. So können Sie als Eltern für uns am besten beurteilen, wie es Ihrem Kind in den Minuten ergangen ist.

 

und dann nach ein paar Ohne-Eltern-Zeiten

  • ohne Bezugsperson zu essen
  • sich trösten zu lassen
  • mit Freude ein Buch anzuschauen
  • auf andere Kinder zuzugehen

Hier endet oft die elterliche Sicht auf die Eingewöhnung. Sie als Eltern geben Ihr Kind für eine halbe Stunde, zwei ganze Stunden oder „bis zum Mittagessen“ in unsere Hände und holen es ab. Sie Sind fürs Erste nicht mehr Teil des Kindergarten-Alltags. Von uns bekommen Sie jetzt Videos und Bilder, wir rufen Sie an, wenn uns etwas im Umgang mit Ihrem Kind unklar ist. 

 

Wie lange die Schritte bis dahin benötigen, sind höchst unterschiedlich. Wenn es sein muss, gewöhnen wir auch sehr lange ein. Meistens jedoch bleiben die Kinder gerne schneller, als die Eltern anfangs vermuten. Wir führen engmaschig kurze Zoom Gespräche mit Ihnen um schnell verstehen zu können, wenn es einen Schritt zurück oder einen schnelleren Schritt nach vorne braucht.

Die Eingewöhnungszeit ist fordernd für Sie als Eltern und für Ihr Kind. Wir empfehlen keine weiteren Belastungen wie Umzug, Ankunft eines Geschwisterchens, Beginn in einer neuen Spielgruppe/ Nachmittagsgruppe oder andere große Veränderungen in diese Zeit fallen zu lassen. 

 

Das Münchner Eingewöhnungsmodell

 

Wir und viele Einrichtungen in Bayern und deutschlandweit orientieren sich am sogenannten Münchner Eingewöhnungsmodell. Es wurde als Weiterentwicklung klassischer Modelle (wie dem Berliner Modell) entwickelt und legt besonderen Wert auf Individualisierung und Beziehungsaufbau.

Charakteristisch sind:

 

  • eine offene, flexible Dauer der Eingewöhnung
  • eine aktive Rolle der Bezugsperson
  • eine sensible Beobachtung der kindlichen Signale
  • der Aufbau einer tragfähigen Beziehung zur pädagogischen Fachkraft
  • Im Mittelpunkt steht nicht ein fester Zeitplan, sondern das Bedürfnis des Kindes nach Sicherheit. Trennungsversuche erfolgen nicht nach starrer Vorgabe, sondern dann, wenn das Kind erste Anzeichen von Bindung und Exploration zeigt. Das Kind darf Tempo und Intensität mitbestimmen.

Die Umsetzung sollte planvoll und bedürfnisorientiert erfolgen. 

  • Gefühle werden ernst genommen.
  • Abschiede werden nicht „durchgezogen“, sondern begleitet.
  • Rückschritte sind erlaubt.
  • Eltern bleiben wichtige Bindungspersonen – nicht Störfaktor.
  • Die Eingewöhnung ist damit kein Test auf Anpassungsfähigkeit, sondern ein gemeinsamer Beziehungsprozess.

Vertrauen braucht Begegnung

 

Wenn möglich, lernen wir Familien schon Monate vor dem Start kennen. Sie schnuppern hinein, erleben uns an guten und anstrengenden Tagen. Sie sehen uns mit unserer Freude, unseren Schwächen, unserer Art zu arbeiten. Und wir lernen Ihr Kind in kleinen, ehrlichen Momenten kennen.

Oft spürt man recht bald, ob es passt. Dieses Gespür hat uns bisher nicht getäuscht.

Die Eingewöhnung ist eine Zeit der Umbrüche. Für Kinder. Für Eltern. Auch für uns. Es ist bewegend zu sehen, wie Selbstständigkeit wächst, wie aus vorsichtiger Nähe echtes Vertrauen wird.

Für uns bleibt es ein Privileg, diesen Prozess begleiten zu dürfen – Schritt für Schritt, mit Geduld und mit Liebe. Es ist eine der Hauptaufgaben in unserer tägliche Arbeit mit den Kindern. Unser Ziel ist es, auch Ihr Kind gut in eine kleine Kindergruppe zu integrieren, so dass es sich gemäß seiner Persönlichkeit dort frei entfalten kann, gesehen wird, neue Fähigkeiten an sich entdecken kann und eine sehr gute Erfahrung durch eine Kindergruppe machen darf.

 

Quellen:

Winner, Anna; Erndt-Doll, Elisabeth (2013).

Das Münchner Eingewöhnungsmodell. Theorie und Praxis der Gestaltung von Übergängen in Krippe und Kindergarten.

Freiburg im Breisgau: Herder.

Landeshauptstadt München – Referat für Bildung und Sport (Hrsg.).

Das Münchner Eingewöhnungsmodell – Pädagogische Grundlagen für städtische Kindertageseinrichtungen.

München: LH München.

Winner, Anna (versch. Auflagen).

Fachartikel in: TPS – Theorie und Praxis der Sozialpädagogik oder Publikationen im Kontext der Münchner Kitapädagogik.


Über die Autor*in

 

Christine Trompka hat über 15 Jahre Erfahrung als Pädagogin mit Kindern und Erwachsenen. Ihr Schwerpunkt war dabei immer das Draußensein, Abenteuer- und Waldpädagogik, tiergestützte Pädagogik sowie traumasensibles Arbeiten. 

 

Christine ist Traumazentrierte Fachberatung DeGPT, Traumapädagogin DeGPT, Heilpraktikerin Psychotherapie und dialogisch-humanistische Traumatherapeutin sowie pädagogische Fachkraft. Sie arbeitet gerne eng und interdisziplinär mit anderen Fachbereichen, Psychiater*innen, Kinderärzt*innen, Psycholog*innen und Pädagog*innen zusammen. Sie bietet verschiedene Gruppen und Einzelangebote für Kinder und Erwachsene an. Sie ist per Email und mobil erreichbar und freut sich über Ihre Anregungen, konstruktive Kritik und Kooperationen.

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