Waldkindergarten - das Richtige für mein Kind?

 

Ein Naturkindergarten – wie die Münchner Igelkinder – bedeutet, dass Kinder einen großen Teil ihres Tages draußen verbringen. Die Natur wird dabei zum wichtigsten Erfahrungs- und Lernraum: Wälder, Wiesen und unterschiedliche Naturplätze bieten den Kindern vielfältige Möglichkeiten zum Spielen, Entdecken und Lernen. Anders als in vielen klassischen Kindergärten gibt es keinen typischen Gruppenraum. Stattdessen stehen den Kindern bei den Igelkindern die Räume in der Knospenstraße sowie eine überdachte Terrasse zur Verfügung, die als Rückzugs- und Schutzorte dienen.

 

Auch bei schlechtem Wetter bleibt der Alltag abwechslungsreich. An Tagen mit besonders starkem Regen werden häufig Ausflüge unternommen – zum Beispiel ins Dinosauriermuseum, zu Spielplätzen, an den Flughafen, ins Theater, ins Museum oder in den Zoo. Wir machen an etwa 20% der Betreuungstage Ausflüge. Diese Unternehmungen erweitern die Erfahrungen der Kinder und bringen zusätzliche Impulse in den Kindergartenalltag. An den anderen Tagen sind wir im Wald und oder im Garten bei den Hühnern, Trampolin und Wohnzimmer.

 

Das pädagogische Konzept eines Naturkindergartens setzt – neben solchen Ausflügen – stark auf freies Spiel, Naturerfahrung und Selbstständigkeit. Kinder erhalten viel Raum, eigene Ideen zu entwickeln, ihre Umgebung zu erforschen und ihre Fähigkeiten im eigenen Tempo auszubauen.

 

Ob dieses Konzept gut zu einem Kind passt, hängt jedoch weniger davon ab, ob es besonders mutig oder „wild“ ist, sondern vielmehr von seinen Interessen, seinem Temperament und seinen Bedürfnissen.

 

Viele Kinder fühlen sich in einem Naturkindergarten besonders wohl. Das gilt häufig für Kinder, die gerne draußen spielen und sich viel bewegen. Auch Kinder, die neugierig sind, Hunde, Katzen und Hühner mögen, ihre Umgebung gerne entdecken und Freude daran haben, Dinge selbst auszuprobieren, profitieren oft sehr von dieser Umgebung. Im Naturkindergarten entstehen viele Spielsituationen aus der Fantasie der Kinder heraus. Stöcke werden zu Schwertern oder Bauwerkzeugen, Steine zu Sammelobjekten und Blätter zu Bastelmaterialien. Kinder, die Spaß an solchem freien und kreativen Spiel haben und nicht unbedingt auf viele vorgefertigte Spielsachen angewiesen sind, finden hier oft besonders gute Bedingungen. Ebenso kommen Kinder auf ihre Kosten, die gerne klettern, bauen, sammeln oder Tiere und Pflanzen beobachten. Wir basteln besonders viel. Sei es, dass die Kinder kreativ mit Wasserfarben umgehen dürfen (wir malen totes Holz, Blätter, Papier und Karton, Steine an), mit buntem Papier, Kleber und Schere basteln oder wir vorgefertigte Ideen aus unserem Bastelbuch umsetzen. Die Kinder haben fast jeden Tag die Möglichkeit sich kreativ mit Material auszudrücken. Wir üben Rechnen, Schwungübungen, Überkreuzbewegungen, Koordination und Feinmotorik mithilfe von Naturmaterialien, Montessorimaterial und unseren Vorschulheften.

 

 

Viele Eltern berichten im Laufe der Zeit, dass ihre Kinder durch den Alltag in der Natur motorisch sehr sicher werden. Unterschiedliche Untergründe, Klettermöglichkeiten und Bewegung im Freien fördern Gleichgewicht und Koordination. Gleichzeitig lernen Kinder häufig, Konflikte selbstständiger zu lösen, weil sie im freien Spiel mehr Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen übernehmen.

 

Nicht zuletzt entsteht bei vielen Kindern eine starke Verbindung zur Natur, die sie für ihre Umwelt sensibilisiert und ihr Bewusstsein für Tiere, Pflanzen und ökologische Zusammenhänge stärkt. Auch der sichere Umgang mit Hunden ist für die Kinder bald völlig selbstverständlich, da wir einen großen lieben Pudel dabei haben, der unheimlich gerne mit den Kindern Ball werfen spielt. Die Kinder lernen dabei auch, dass es wichtig ist von unserem Kindergartenhund Peanut die Einhaltung von Regeln einzufordern und konsequent zu bleiben. Wir erleben oft, dass ihnen das Verständnis für selbst erlebte (und vielleicht unangenehme) Klarheit dadurch leichter fällt.

 

 

Natürlich kann die Umstellung auf einen Naturkindergarten für manche Kinder zunächst auch herausfordernd sein. Kinder, die sehr empfindlich auf Kälte oder Nässe reagieren, brauchen manchmal etwas Zeit, um sich an den Alltag im Freien zu gewöhnen. Auch Kinder, die große Angst vor Hunden, Insekten oder Schmutz haben, müssen sich zunächst an diese neue Umgebung herantasten. Manche Kinder fühlen sich außerdem wohler in stark strukturierten Situationen mit klar vorgegebenen Aktivitäten und müssen sich erst an die größere Freiheit des Naturkindergartens gewöhnen. Für Kinder, die schnell erschöpft sind und noch regelmäßig einen Mittagsschlaf benötigen, kann der Tagesablauf ebenfalls zunächst anspruchsvoll wirken.

 

Dennoch zeigt die Erfahrung vieler Einrichtungen, dass Kinder gerade durch diese neuen Erfahrungen oft über sich hinauswachsen und mit der Zeit Sicherheit und Freude an der Natur entwickeln.

 

Eltern haben häufig ähnliche Fragen, wenn sie über einen Naturkindergarten nachdenken. Eine der häufigsten Sorgen betrifft das Wetter: Ist es nicht zu kalt oder zu nass, um so viel Zeit draußen zu verbringen? Tatsächlich sind Kinder mit der richtigen Kleidung erstaunlich robust. Durch Bewegung bleiben sie warm, und regelmäßige Pausen finden an geschützten Orten statt.

Auch das Thema Sicherheit beschäftigt viele Familien. Naturkindergärten arbeiten mit klaren Regeln, etwa zu Sichtgrenzen oder zum Umgang mit Werkzeugen. Kinder lernen dadurch früh, Risiken einzuschätzen und verantwortungsvoll zu handeln. Studien und Erfahrungsberichte zeigen sogar, dass Kinder aus Naturkindergärten oft ein besonders gutes Risikobewusstsein entwickeln.

Eine weitere Frage lautet häufig: Lernen Kinder dort genug? Frühkindliches Lernen geschieht vor allem durch Erfahrung und Spiel. In der Natur ergeben sich täglich neue Situationen, die Kinder herausfordern und fördern. Dabei werden vor allem die motorische Entwicklung, die Kreativität, das Problemlösen, die sozialen Kompetenzen und die Konzentrationsfähigkeit gestärkt.

 

Wenn Eltern überlegen, ob ein Naturkindergarten das Richtige für ihr Kind ist, kann es hilfreich sein, sich einige grundlegende Fragen zu stellen:

  • Hat mein Kind Freude daran, draußen zu sein – auch wenn das Wetter einmal nicht perfekt ist?
  • Kann ich als Elternteil die organisatorischen Aspekte wie passende Outdoor-Kleidung gut mittragen?
  • Und passt die pädagogische Haltung eines Naturkindergartens – mit viel Raum für freies Spiel – zu unserem eigenen Verständnis von Lernen und Entwicklung?

 

Am hilfreichsten für die Entscheidung ist jedoch meist ein Schnupper- oder Hospitationstag. Dabei können Eltern und Kinder den Alltag der Einrichtung direkt erleben und ein Gefühl dafür bekommen, ob der Naturkindergarten zu ihnen passt. Wir bieten das ganze Jahr über Schnuppermöglichkeiten an. Vereinbaren Sie einfach mal einen Termin im Winter und bekommen Sie einen Eindruck davon, wie ein Tag bei uns abläuft.

 

In unserem pädagogischen Konzept finden Sie ganz viele Infos über die Igelkinder. Wenn Sie ganz nach unten scrollen, finden Sie auch Infos wie unsere Ausrüstungsliste und beispielhafte Jahrespläne.


Über die Autor*in

 

Christine Trompka hat über 15 Jahre Erfahrung als Pädagogin mit Kindern und Erwachsenen. Ihr Schwerpunkt war dabei immer das Draußensein, Abenteuer- und Waldpädagogik, tiergestützte Pädagogik sowie traumasensibles Arbeiten. 

 

Christine ist Traumazentrierte Fachberatung DeGPT, Traumapädagogin DeGPT, Heilpraktikerin Psychotherapie und dialogisch-humanistische Traumatherapeutin sowie pädagogische Fachkraft. Sie arbeitet gerne eng und interdisziplinär mit anderen Fachbereichen, Psychiater*innen, Kinderärzt*innen, Psycholog*innen und Pädagog*innen zusammen. Sie bietet verschiedene Gruppen und Einzelangebote für Kinder und Erwachsene an. Sie ist per Email und mobil erreichbar und freut sich über Ihre Anregungen, konstruktive Kritik und Fragen.

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