*** CN: Trauma, Tod, Gewalt. Der folgende Text kann sich sehr belastend anfühlen ***
Es kann helfen, ihn gar nicht, mit Ruhe, schrittweise oder einer lieben Begleitung zu lesen.
Wenn Kinder oder Erwachsene schwierige Erfahrungen machen, entsteht oft ein Gefühl von Hilflosigkeit, Überforderung oder innerer Erstarrung. Gerade in der Arbeit mit Kindern, die Verluste erlebt haben oder durch andere belastende Ereignisse geprägt sind, merken wir schnell: Es braucht mehr als Worte, mehr als reine Techniken.
Hier setzt die dialogisch-humanistische Traumatherapie an, denn Haltung ist alles.
Eine Traumafolgestörung. also die Diagnose, die bleibt, wenn das belastende Ereignis schon vorbei ist aber trotzdem noch Schwierigkeiten macht, geht tief. Traumafolgen haben körperliche Anteile, verändern den Blick auf die Welt und haben die Macht Beziehungen zu Mitmenschen zu beeinträchtigen. Besonders die posttraumatische Belastungsstörung PTBS und kPTBS können das Leben der Betroffenen völlig auf den Kopf stellen.
Traumaarbeit beginnt mit Beziehung
Die dialogisch-humanistische Traumatherapie geht davon aus, dass Heilung nicht nur über Methoden, sondern vor allem über echte Begegnung möglich wird.
Dialogisch bedeutet dabei den offenen, wertschätzenden Dialog mit Menschen – auf Augenhöhe, ohne Druck, ohne starre Erwartungen. Ein
Ziel der Therapie ist, die Dialogfähigkeit auszubauen oder wiederherzustellen. Gemeinsam beleuchten wir passende und weniger passende Strategien, die das Trauma mit sich gebracht hat. Manche
waren eine Überlebensstrategie, schaden aber langfristig und wir können sie gemeinsam durch tragfähigere Strategien ablösen. Wir sehen daher auch das Kind nicht durch die Brille seiner Probleme
oder Schwächen, sondern wertschätzen die innere Stärke und den Überlebensmut.
Humanistisch stammt aus einer philosophischen Strömung, die den Menschen in seiner Würde, Einzigartigkeit und seinem inneren Potenzial in den Mittelpunkt stellt. Wir wissen, dass jeder Mensch gesunde Anteile in sich trägt. Wir wissen, dass die Fähigkeit zu Entwicklung und Heilung durch Ereignisse oder Umstände erschüttert sein kann und unsere Offenheit und Empathie der Schlüssel zur Veränderung sein können.
In einer Traumatherapie arbeiten wir anfangs gemeinsam am einen passenden Setting, das auch in der Natur oder an einem sicheren Ort sein kann. Wir schauen also, was sich für Sie gut anfühlt, wer vielleicht anfangs dabei sein soll oder ob wir spazierengehen oder lieber bei den Tieren sitzen wollen. Wichtig ist, dass wir gemeinsam zu einer großen Sicherheit finden und herausfinden, ob wir miteinander arbeiten wollen. Dann stabilisieren wir miteinander. Wir festigen unsere Sicherheit und Vertrautheit, bauen eine Arbeitsbeziehung auf und arbeiten an ersten Techniken zur Emotionsregulation.
Die dialogisch-humanistische Methode arbeitet mit Exposition, das heißt unter bestimmten Umständen können wir die Traumaanteile, die im Körper geblieben sind, heraufholen. Letztlich können wir versuchen das Trauma ins Leben zu integrieren. Diese anfangs unvorstellbare Aufgabe schaffen wir in kleinen Schritten und manchmal gehen wir auch ein paar Schritte zurück. Aber immer zusammen.
Wirkungsweise der dialogisch-humanistischen Traumatherapie
Die dialogisch-humanistische Traumatherapie betont eine sichere, wertschätzende therapeutische Beziehung, in der traumatisierte Menschen als aktiv handelnde Subjekte und nicht als bloße „Symptomträger“ verstanden werden. Durch den dialogischen Ansatz wird die therapeutische Beziehung selbst zu einem zentralen Heilfaktor, der neue korrigierende Beziehungserfahrungen ermöglicht. Humanistische Verfahren fördern die Wahrnehmung und Akzeptanz eigener Gefühle, wodurch traumabezogene Emotionen schrittweise integriert werden können. Gestalttherapeutische Elemente unterstützen dabei, belastende Erfahrungen im Hier-und-Jetzt bewusst wahrzunehmen und unverarbeitete Erlebnisse zu bearbeiten. Gleichzeitig werden verhaltenstherapeutische Methoden genutzt, um konkrete Bewältigungsstrategien im Alltag aufzubauen und Stressreaktionen besser zu regulieren. Die Kombination ermöglicht sowohl emotionale Verarbeitung als auch praktische Stabilisierung und Ressourcenaufbau. Besonders hilfreich ist der Fokus auf Selbstwirksamkeit und persönliche Handlungsspielräume, die nach traumatischen Erfahrungen häufig eingeschränkt sind. Durch erlebnisorientierte Methoden können emotionale Blockaden behutsam gelöst und neue Handlungsmöglichkeiten erprobt werden. Die dialogische Haltung unterstützt zudem die Entwicklung von Selbstmitgefühl und fördert langfristige Resilienz. Insgesamt verbindet der Ansatz emotionale Verarbeitung, Beziehungserfahrung und konkrete Handlungsorientierung zu einem ganzheitlichen traumatherapeutischen Vorgehen.
Quellen:
Elliott, R., Greenberg, L. S., Watson, J. C., Timulak, L., & Freire, E. (2013). Research on humanistic-experiential psychotherapies. In M. J. Lambert (Ed.), Bergin and Garfield’s Handbook of Psychotherapy and Behavior Change (6th ed., pp. 495–538). Wiley.
Paivio, S. C., & Pascual-Leone, A. (2010). Emotion-Focused Therapy for Complex Trauma: An Integrative Approach. American Psychological Association. https://doi.org/10.1037/12077-000
Greenberg, L. S., & Watson, J. C. (2006). Emotion-Focused Therapy for Depression. American Psychological Association. https://doi.org/10.1037/11286-000
Über die Autor*in
Christine Trompka hat über 15 Jahre Erfahrung als Pädagogin mit Kindern und Erwachsenen. Ihr Schwerpunkt war dabei immer das Draußensein, Abenteuer- und Waldpädagogik, tiergestützte Pädagogik sowie traumasensibles Arbeiten.
Christine ist Traumazentrierte Fachberatung DeGPT, Traumapädagogin DeGPT, Heilpraktikerin Psychotherapie und dialogisch-humanistische Traumatherapeutin sowie pädagogische Fachkraft. Sie arbeitet gerne eng und interdisziplinär mit anderen Fachbereichen, Psychiater*innen, Kinderärzt*innen, Psycholog*innen und Pädagog*innen zusammen. Sie bietet verschiedene Gruppen und Einzelangebote für Kinder und Erwachsene an. Sie ist per Email und mobil erreichbar und freut sich über Ihre Anregungen, konstruktive Kritik und Anregungen.

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