Autogenes Training für Kinder - Ich spür die Ruhe in mir

Manchmal tobt es ganz schön im Kopf. Gedanken springen wie Flummis, Gefühle flattern wie Schmetterlinge im Bauch, und der Körper deines Kindes? Der ruft nur noch:

 

„Ich will Ruhe!“

 

Aber wie findet ein Kind inmitten von Schule, Stress und manchmal schweren Erlebnissen überhaupt zur Entspannung?

Genau hier setzt das Autogene Training an – ein einfaches, aber wirkungsvolles Entspannungsverfahren, das Kindern helfen kann, ihre innere Ruhequelle zu entdecken.

 

Das Autogene Training wurde ursprünglich von Prof. Dr. Schultz entwickelt und zählt zu den sogenannten kognitiven Entspannungsverfahren. Es basiert auf der Kraft der Vorstellung und der Selbstbeeinflussung. Durch bestimmte Formeln wie „Mein Arm ist ganz schwer“ oder „Mein Bauch ist warm“ können Kinder lernen, gezielt Körper und Geist in einen Ruhezustand zu bringen – ganz ohne Hilfsmittel, nur durch Konzentration. 

Und das Beste: Es funktioniert auch im Kinderzimmer, im Klassenzimmer oder sogar im Bus.

 

Wir beginne die ersten Schritte zum autogenen Training mit einfachen Experimenten. Wie lange dauert es, bis sich der Schlamm in der Schüssel absetzt und das Wasser klar wird? So ähnlich sind unsere Gedanken. Sie wirbeln herum wie ein wilder Bach. Aber zum klaren Denken brauchen wir eine gute, klare Sicht.

 

Um das autogene Training zu erlernen müssen wir verschiedene Etappen zurücklegen, wie bei einer Wanderung. Auch unseren Weg zeichnen wir uns vor und können auch besonders ausgesetzte Stelle der Wanderung, schöne Momente oder Körperempfindungen auf unserer Landkarte verzeichnen. 

Anfangs lernen wie es ist, Anzukommen und mal nicht tun zu dürfen. Einfach da sein, mal nichts leisten, nichts wollen. Dann stellen wir fest, dass unser Körper schwer werden kann. Schwere spüren ist ein weiteres wichtiges Ziel auf unserem Lernweg. Es dauert meist ein paar Sitzungen in der Gruppe oder auch im Einzelsetting, bis Kinder das Gefühl von Schwere bei sich fühlen und hervorrufen können. Was brauche ich, damit ich mich warm und ruhig fühle? Wie breitet sich mein Atem aus? Das Bewusstwerden des Atems und die Aufkommende Wohligkeit und Wärme sind weitere Etappen auf unserer Reise.

 

Unsere Gefühle und Gedanken. Was ist das eine, was das andere? Können wir die eigenen Gedanken beeinflussen? Wohin mit den Gefühlen?

Kinder dürfen lernen gut für sich zu sorgen. Gefühlen dürfen sein, wir üben das Aushalten von schwierigen Gefühlen. Und das Zulassen leichter Gedanken und Gefühle, als eine weitere Etappe. 

 

"Was will ich eigentlich denken?"

 

Angewandte Entspannungstechniken schaffen Raum für Selbstfürsorge und helfen uns, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir müssen uns gar nicht die ganze Zeit stressen lassen - denn jetzt haben wir ein Werkzeug gelernt, um mal alles abzuschütteln.

 

Kinder mit Belastungen tragen oft eine hohe innere Anspannung in sich – wie ein Motor, der nie abschaltet. Autogenes Training kann ihnen helfen, wieder Kontrolle über ihren Körper zu spüren, sich selbst zu beruhigen und Sicherheit in sich zu finden.

Diese Form der Selbstregulation ist ein wichtiger Baustein in der Traumapädagogik – und kann Kindern dabei helfen, ihr Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zurückzugewinnen.

 

Entspannung kann man lernen. Mit Herz, Struktur und einem guten Wegeplan. Wir unterstützen ihr Kind mit einem langfristigen Programm über einige Monate, in denen wir autogenes Training in Einzelsitzungen oder einer Gruppe erlernen.

 

Wir unterstützen sie als Eltern und bieten ihnen das Erlernen und Üben kognitiver Entspannungstechniken in Einzelsitzungen an. Unser Körpertherapeut ist spezialisiert auf ein sanftes und entspannendes Yin Yoga und praktiziert außerdem Thai Yoga Massage. Lernen sie mit der Thai Yoga Massage eine Massagetechnik an sich kennen, bei der ihr ganzer Körper in bequemer Kleidung passiv bewegt werden. Mal dynamischer, mal haltend ruhig und sanft. Immer sehr sensibel und individuell so, wie es ihnen und ihrem Körper gerade gut tut.

Achtsamkeitsübungen helfen Kindern, ihre Aufmerksamkeit zu stabilisieren und belastende Gefühle sowie Stressreaktionen besser wahrzunehmen und zu regulieren.

 

Regelmäßige Entspannungsverfahren wie Autogenes Training können nachweislich körperliche Stressreaktionen reduzieren und das allgemeine psychische Wohlbefinden verbessern. Gerade bei Kindern mit psychischen Belastungen oder traumatischen Erfahrungen unterstützen solche Methoden die emotionale Selbstregulation und fördern ein Gefühl von Sicherheit im eigenen Körper. Ruhephasen und strukturierte Entspannungsangebote wirken stabilisierend auf das Nervensystem und helfen, Übererregung und Anspannung abzubauen. Dadurch verbessern sich häufig Konzentrationsfähigkeit, Schlafqualität und soziale Interaktion. Achtsamkeits- und Entspannungsübungen stärken zudem langfristig Bewältigungsstrategien im Umgang mit Stress und belastenden Erinnerungen. Insgesamt können diese Methoden therapeutische und heilpädagogische Prozesse unterstützen, indem sie Ressourcenaktivierung und Resilienz fördern.

 

 

Quellen:

Zenner, C., Herrnleben-Kurz, S., & Walach, H. (2014). Mindfulness-based interventions in schools—A systematic review and meta-analysis. Frontiers in Psychology, 5, 603. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2014.00603

Dunning, D. L., Griffiths, K., Kuyken, W., Crane, C., Foulkes, L., Parker, J., & Dalgleish, T. (2019). Research review: The effects of mindfulness-based interventions on cognition and mental health in children and adolescents—A meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 60(3), 244–258. https://doi.org/10.1111/jcpp.12980

Stetter, F., & Kupper, S. (2002). Autogenic training: A meta-analysis of clinical outcome studies. Applied Psychophysiology and Biofeedback, 27(1), 45–98.  https://doi.org/10.1023/A:1014576505223 


Über die Autor*in

 

Christine Trompka hat über 15 Jahre Erfahrung als Pädagogin mit Kindern und Erwachsenen. Ihr Schwerpunkt war dabei immer das Draußensein, Abenteuer- und Waldpädagogik, tiergestützte Pädagogik sowie traumasensibles Arbeiten. 

 

Christine ist Traumazentrierte Fachberatung DeGPT, Traumapädagogin DeGPT, Heilpraktikerin Psychotherapie und dialogisch-humanistische Traumatherapeutin sowie pädagogische Fachkraft. Sie arbeitet gerne eng und interdisziplinär mit anderen Fachbereichen, Psychiater*innen, Kinderärzt*innen, Psycholog*innen und Pädagog*innen zusammen. Sie bietet verschiedene Gruppen und Einzelangebote für Kinder und Erwachsene an. Sie ist per Email und mobil erreichbar und freut sich über Ihre Anregungen, konstruktive Kritik und Anregungen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0