++ CN: Trauma. Der folgende Text kann sich belastend anfühlen ++
Es kann helfen, ihn mit Ruhe, schrittweise oder einer lieben Begleitung zu lesen.
Therapietiere in der Traumapädagogik und im Kindergarten
Unterstützung bei Trauma und im Alltag gesunder Kinder durch Therapiehühner, Katzen und Hund
Die Traumapädagogik bietet Kindern und Jugendlichen nach belastenden Erfahrungen einen sicheren Rahmen, um Stabilität, Vertrauen und Zugang zu ihren eigenen Gefühlen wiederzuentwickeln. Besonders bei Trauma, Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), Dissoziation oder starken Ängsten zeigt sich, wie schwer es sein kann, Emotionen wahrzunehmen und zu regulieren. In diesem Kontext gewinnt der Einsatz von Therapietieren zunehmend an Bedeutung – auch in unserer traumapädagogischen Arbeit in München.
Warum Therapietiere in der Traumapädagogik wirken
Therapietiere begegnen Kindern ohne Bewertung, ohne Leistungsdruck und ohne komplizierte Sprache. Diese Form der Beziehung ist besonders wertvoll für Kinder mit traumatischen Erfahrungen. Während Gespräche oft überfordern oder blockiert sind, ermöglichen Tiere einen direkten, körperlich spürbaren Zugang zu Sicherheit und Beziehung.
In der Traumapädagogik werden Tiere gezielt eingesetzt, um emotionale Stabilisierung zu fördern, Stress zu reduzieren und Selbstwirksamkeit erfahrbar zu machen. Der Kontakt zu Tieren kann helfen, das Nervensystem zu beruhigen und Vertrauen langsam wieder aufzubauen.
Therapiehühner als besonderer Zugang in der Traumapädagogik
Ein oft unterschätzter, aber besonders wirksamer Bestandteil tiergestützter Arbeit sind Therapiehühner. Gerade in der traumapädagogischen Praxis zeigen Hühner eine erstaunlich stabilisierende Wirkung.
Durch ihre ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen und ihr vorhersehbares Verhalten fördern sie Achtsamkeit und Erdung. Kinder lernen, langsamer zu werden, genau hinzusehen und sich auf einfache, wiederkehrende Abläufe einzulassen. Das Versorgen und Beobachten von Hühnern schafft Struktur und vermittelt Sicherheit – zentrale Faktoren in der Arbeit mit Trauma.
Therapiehühner eignen sich besonders bei:
- innerer Unruhe
- Ängsten
- Dissoziation
- Schwierigkeiten in der Selbstregulation
Sie ermöglichen Nähe, ohne zu überfordern, und bieten eine Form von Beziehung, die klar und verlässlich ist.
Unsere lieben Hennen sind bei uns aufgewachsen und eine alte, ruhige Zwiehuhn Rasse. Auf dem Bild ist Henry zu sehen, die jede Möglichkeit nutzt, um aus ihrem Auslauf in den Spielbereich der Kinder zu entwischen. Sie erwartet dann dort Leckerchen und lernt kleine Kunststücke. Sie lässt sich wie ihre Schwester Silva am Kamm kraulen und lockert jede Therapiestunde durch ihr fröhliches Gackern auf.
Katzen und Hund in der (trauma)pädagogischen Arbeit
Neben Therapiehühnern spielen auch unsere Katzen Kleo und Sila und Peanut, die junge und wilde Großpudel Dame eine wichtige Rolle in der Traumapädagogik. Jede Tierart bringt eigene Qualitäten mit, die gezielt eingesetzt werden.
Unsere Katzen ermöglichen Nähe auf freiwilliger Basis. Sie kommen nur, wenn sie möchten, und reagieren sensibel auf die Stimmung ihres Gegenübers. Für Kinder mit belastenden Beziehungserfahrungen ist das eine wichtige Erfahrung: Nähe darf selbstbestimmt sein, Grenzen werden respektiert.
Ein Hund hingegen bringt mehr Aktivität und direkte Interaktion in den Prozess. Er sucht Kontakt, reagiert auf Ansprache und lädt zu Bewegung ein. Gerade bei Rückzug, depressiven Symptomen oder sozialer Unsicherheit kann der Hund helfen, wieder in Kontakt zu kommen und Vertrauen aufzubauen. Peanut braucht laut ausgesprochene Worte, damit sie den Ball holt oder Pfote gibt. Sie kann auch ruhig zuhören und ist sehr kuschelig. Die Kinder üben mit ihr ein festes „Sitz“ und „Aus“ und bekommen so viel Selbstbewusstsein, wenn Peanut gerne ihre Anweisungen befolgt. Erdnuss, wie die Kinder sie gerne nennen frisst am liebsten aus der Hand und fragt die Kinder, wenn sie mehr Wasser aus ihrer Schüssel will. Gibt es gerade keinen kindlichen Spielpartner, so kann Peani unermüdlich den Ball holen und durch die Gegend fetzen.
Ein großer Hund ist trotzdem ein imposantes Tier. Die Kinder lernen nebenbei den richtigen Umgang mit Hunden, sich selbst sicher zu verhalten und auch die Grenzen des Tieres zu respektieren.
Wirkung von Therapietieren bei Trauma und PTBS
Der Einsatz von Therapietieren in der Traumapädagogik wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Körperliche Nähe, Bewegung und sinnliche Wahrnehmung helfen dabei, wieder im Hier und Jetzt anzukommen. Besonders bei Dissoziation kann der Kontakt zu einem Tier stabilisierend wirken.
Gleichzeitig fördern Tiere den Zugang zu Gefühlen. Viele Kinder erleben Emotionen zunächst über das Tier, bevor sie diese bei sich selbst wahrnehmen können. Dieser indirekte Zugang ist ein zentraler Bestandteil traumapädagogischer Prozesse.
Auch neurobiologisch zeigt sich die Wirkung: Der Kontakt zu Tieren kann Stress reduzieren, das Bindungssystem aktivieren und langfristig zur emotionalen Stabilisierung beitragen.
Mehr Lebensfreude durch Therapietiere
Neben der therapeutischen Wirkung spielt auch ein weiterer Faktor eine große Rolle: Lebensfreude. Therapietiere bringen Leichtigkeit in den Alltag, schaffen positive Erlebnisse und ermöglichen Momente von Freude und Entspannung.
Gerade für Kinder mit traumatischen Erfahrungen sind diese positiven Erfahrungen essenziell. Sie schaffen einen Gegenpol zu belastenden Erinnerungen und stärken die Fähigkeit, wieder Freude zu empfinden.
Traumapädagogik in München mit Therapietieren
Der Einsatz von Therapietieren in der Traumapädagogik in München zeigt, wie wirkungsvoll tiergestützte Ansätze sein können. Ob Therapiehühner, Katzen oder ein Hund – sie alle unterstützen Kinder dabei, Sicherheit zu erleben, Gefühle zuzulassen und Vertrauen neu aufzubauen.
Therapietiere sind dabei weit mehr als eine Ergänzung. Sie sind ein zentraler Bestandteil moderner Traumapädagogik, die den Menschen ganzheitlich betrachtet und Körper, Emotionen und Beziehung gleichermaßen einbezieht.
Es gibt weitere Blogartikel über unseren süßen, jungen Kater Kleo, wie Kleo zu uns gekommen ist, über unsere Henne Frieda und auch zur traumapädagogischen Gruppe am Freitag, die bei uns in München Nord stattfindet.
Quellen:
Handbuch Traumapädagogik – herausgegeben von Wilma Weiß, Tanja
Bock und Silke Streeck-Fischer (Zentrale Grundlagen zu Trauma, Stabilisierung,
Beziehungsgestaltung und pädagogischer Praxis.)
Tiergestützte Interventionen – Handbuch für die Praxis von Carola Otterstedt und Michael Rosenberger (Umfassendes Werk zur Wirkung von Therapietieren, inkl. neurobiologischer und pädagogischer
Perspektiven.)
International Association of Human-Animal Interaction Organizations (IAHAIO) – White Paper
(2018) (Wissenschaftlich fundierte Zusammenstellung zu Effekten von Tierkontakt auf Stress, Bindung und psychische Gesundheit.)
Über die Autor*in
Christine Trompka hat über 15 Jahre Erfahrung als Pädagogin mit Kindern und Erwachsenen. Ihr Schwerpunkt war dabei immer das Draußensein, Abenteuer- und Waldpädagogik, tiergestützte Pädagogik sowie traumasensibles Arbeiten.
Christine ist Traumazentrierte Fachberatung DeGPT, Traumapädagogin DeGPT, Heilpraktikerin Psychotherapie und dialogisch-humanistische Traumatherapeutin sowie pädagogische Fachkraft. Sie arbeitet gerne eng und interdisziplinär mit anderen Fachbereichen, Psychiater*innen, Kinderärzt*innen, Psycholog*innen und Pädagog*innen zusammen. Sie bietet verschiedene Gruppen und Einzelangebote für Kinder und Erwachsene an. Sie ist per Email und mobil erreichbar und freut sich über Ihre Anregungen, konstruktive Kritik und Fragen.

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